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Mein Hörtipp der Woche: Dieter Nuhr

„In den USA wurde ein Komiker zum Präsidenten gewählt, der nicht einmal weiß, dass er Komiker ist.“ Bissig, aber zutreffend – so kenne und mag ich Dieter Nuhr. In seinem soeben bei Wortart auf CD und als Download erschienenen Programm Kein Scherz! lädt er sein Publikum zu einer gemeinsamen Rundreise durch hiesige Befindlichkeiten ein. Er beleuchtet mit viel Leidenschaft die merkwürdige deutsche Sichtweise auf unterschiedliche Identitäten (hetero, homo, bi, schwarz und weiß) und fragt sich zu Recht, wer überhaupt darüber urteilen sollte, wie ein Mensch zu sein hat, außer dem Betreffenden selbst. „Toleranz ist nicht, die Intoleranz der anderen zu akzeptieren.“ Eine wahre Aussage, die ich so uneingeschränkt unterstützen möchte.

Auch, wenn er klar darauf hinweist, dass das Programm ungegendert ist, gefällt es mir sogar als ehemals Forschende im Bereich Gender Mainstreaming. Ihm und mir ist es ebenso in der Tat gemeinsam wurscht, ob das Studentenwerk nun Studierendenwerk oder der AStA nun StudentInnenausschuss heißt – vor allem, weil dort zumeist ohnehin die Frauen das Sagen haben. Zumindest in Hannover war das in meiner Studienzeit so. (Ich habe meinerseits stolze sieben Jahre im STUDENTENwohnheim gewohnt und habe mich dabei niemals diskriminiert gefühlt – außer vielleicht von wohlhabenden Studierenden, die abschätzig auf uns Wohnheimbewohner herab geblickt haben.) Das dürfte den wie selbstverständlich feministisch geprägten Studentinnen von heute möglicherweise anders gehen…

Doch zurück zum Programm Kein Scherz! von Dieter Nuhr. Was viel Respekt vor ihm in mir auslöst, ist, dass er keinesfalls verwundert ist über die vielen Shitstorms, die auf ihn herab gehen. Gottlob kann er sehr gut damit umgehen. Denn mittlerweile ist es ja bei fast jedem so, der etwas zu sagen hat, dass er im Netz dafür anonym kritisiert wird. Irgendwie ist es nur traurig, dass gerade ein Kabarettist für seine durchaus durchdachte bissige Meinung kritisiert wird. Ich dachte früher mal, der Sinn von Kabarett sei, den Finger in die Wunde zu legen, damit sich etwas ändert. Das dürfte auch Dieter Nuhrs Meinung sein. Darum finde ich es großartig, dass er sich durch die Hater nicht beirren lässt.

Mir hat sein Programm jedenfalls sehr gut gefallen und ich kann es jedem nur empfehlen, der gutes Kabarett mag. Dazu gehört im Übrigen auch, dass man erst einmal zuhört, dann darüber nachdenkt und schließlich in angemessener Weise seinen Kommentar dazu abgibt. Auch wenn das heute vor allem hier im Internet gerne mal vergessen wird.

 

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