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Mein Guck-Tipp der Woche: Lisa Eckhart

Lisa Eckhart war und ist für mich ein Phänomen. Meine erste fernsehtechnische Begegnung mit ihr war vor einigen Monaten in der ZDF Satiresendung „Die Anstalt“. Da spielte die schlanke, blonde Kabarettistin aus Österreich einen schwarz gekleideten Engel mit ebensolchen Flügeln. Was dann jedoch aus ihrem Mund kam, hat mich eher ein wenig an Mephisto erinnert. Man merkte sofort, dass die Poetry Slam Szene für sie irgendwann einmal der Startpunkt gewesen sein muss. Denn ihre zuckersüße Stimme sprach in Reimen. Allerdings waren diese meist bissig oder gar sarkastisch. Ihre bösen satirischen Bemerkungen waren oftmals sogar so spitz, wie die Absätze ihrer ungemein hohen Stöckelschuhe.

Doch irgendwie imponierte sie mir mit ihrer fiesen, etwas überheblichen (beinahe wie Falco in den 80ern) und absichtlich gemeinen Art. So ein wenig dachte ich mir als studierte Psychologin, dass der alte Freud seine helle Freude an ihr gehabt hätte. Aber sie wäre ihm ja ohnehin nicht begegnet, denn sie kommt ja nicht aus Wien, sondern aus der Steiermark. Außerdem ist sie mit ihrer Lebenszeit ja mittlerweile fast anderthalb Jahrhunderte zu spät dran. Als ich dann aber auch über sie gelesen habe, dass man an diversen Schauspielschulen nicht sie, sondern nur ihre verdammt guten Texte haben wollte, konnte ich verstehen, dass sie nun wie ein kleiner Teufel im Engelskostüm auf der Bühne agiert.

Ich an ihrer Stelle hätte es „denen da oben“ nämlich auch zeigen wollen. Tja, und das hat sie nun schon mit ihrem ersten Programm Als ob Sie Besseres zu tun hätten (3sat-Mitschnitt) geschafft. Dafür hat es nämlich diverse österreichische und deutsche Kabarett-Preise geregnet. Zu Recht, wie ich finde. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung ihres Feldzuges gegen die Mittelmäßigkeit der Normalbürger und der vermeintlichen Obrigkeit. Auch gegen die, die Letzteres nach langer Zeit gerne mal wieder wären. Ein Buch mit einer Sammlung ihrer bisher entstandenen besten Texte ist unter dem Titel Metrische Taktlosigkeiten: Eine Einführung ins politische Korrektum im österreichischen Schulz & Schirm Verlag erschienen. Außerdem ist sie mittlerweile mit ihrem zweiten Programm Die Vorteile des Lasters (unter anderem am 09. Februar 2019 im tak in Hannover) bundesweit unterwegs.

 

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