Mein Hörtipp der Woche: Lisa Eckhardt – Omama

Mit meinem letzten Hörtipp war ich bereits in der vergangenen Woche in Österreich zu Gast. Weil es mir komödiantisch gesehen dort in letzter Zeit immer besser gefällt, komme ich in dieser Woche einfach mal zur Lady Gaga der österreichischen Kabarettszene. Damit meine ich natürlich Lisa Eckhart. Was ihre extravaganten Auftritte und ihre frechen Texte angeht, könnte sie sich in der Tat mit der amerikanischen Sängerin zusammentun. Da man schon vorab biographisch über sie lesen konnte, dass sie größtenteils bei ihren Großeltern groß geworden ist, hat es mich nicht gewundert, dass sie das fiktive Leben ihrer Großmutter väterlicherseits zum Thema ihres ersten Romans gemacht hat.

Mit diesem sorgte sie dann jedoch vorab schon für Schlagzeilen. Von einem Hamburger Literaturfestival wurde sie ausgeladen, weil man einige Passagen des Textes als eine Verherrlichung der Nazizeit interpretierte. Genau diese Anschuldigung hat mich erst richtig neugierig werden lassen. Denn ich wusste, dass die Österreicherin mit ihren Texten definitiv genau das Gegenteil erreichen möchte. Also habe ich mir ihren Roman von ihr selbst im Hörbuch vorlesen lassen. Und siehe da: Die Ausrichter des Literaturfestivals in Hamburg haben offensichtlich nicht richtig in das Buch hinein gelesen oder gehört.

Darum erkläre ich jetzt einfach mal, wie ich den Roman Omama verstanden habe: Lisas Großmutter Helga, samt ihrer ein paar Jahre älteren Schwester Inge, wird zunächst einmal als junges österreichisches Mädchen in den 1950er Jahren verortet, das mit 15 Jahren erst einmal ihre Weiblichkeit entdecken muss. Also dürfte sie so kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges geboren sein. Zwar gibt es auf dem Hof, auf dem die beiden Mädchen leben, noch ein paar russische Besatzer aus der Ära des Krieges, aber mit der darauffolgenden Handlung haben diese Soldaten wenig zu tun. Viel mehr erfährt man in den nachfolgenden Kapiteln, wie es Helga und ihrer Schwester bei ihren ersten Arbeitsstellen und in der Liebe ergeht. Eingebettet in das typische Szenario der Nachkriegszeit müssen sich die Mädchen als Kindermädchen und Köchin verdingen und erleben dabei so manche Kuriosität.

Natürlich ist die Handlung, wie man es schon aus anderen Zusammenhängen von der Kabarettistin Lisa Eckhart gewohnt ist, mit sarkastischem Humor und derben Scherzen durchzogen, aber eine Verherrlichung der Nazi-Zeit konnte ich aus der gesamten Handlung nicht heraushören. Vielmehr möchte ich Euch ans Herz legen, Euch selbst ein Bild in Bezug auf dieses Hörbuch aus dem Lübbe Audio Verlag zu machen und vielleicht auch einmal Eure Großeltern nach deren Erinnerungen zu fragen. Mir jedenfalls hat das Hörbuch, auch dank des grandiosen Vortrags der Autorin, sehr gut gefallen. Denn mich erinnert es auch an eine Zeit, von der ich im Schulunterricht tatsächlich nie etwas gehört habe, wohl aber von meinen Eltern und Großeltern. Ich bin 1975 geboren und offensichtlich war da die Nachkriegszeit doch viel zu nah dran für den Schulunterricht. Gut also, dass sich nun auch eine ohnehin als freche Kabarettistin bekannte Autorin literarisch an diese Zeit heran getraut hat.

Lesung und Hörprobe

Interview bei 3 nach 9